Art of LightFototrips

🇩🇪 Tierisch Gut! Unsere Mitbewohner zwischen Zoo und Stadt

Eine fotografische Reise durch die Vielfalt unserer Tierwelt – von den exotischen Gorillas Münsters bis zur stillen Nachbarschaft im heimischen Garten.

Tiere. Unsere Mitbewohner auf dem Planeten Erde. Im Alltag vergessen wir sie oft, übersehen sie im Rauschen der Stadt oder der Hektik des Tages. Aber es gibt sie: unsere stille Nachbarschaft. Ob der winzige Sechsfüßer im Gras oder der imposante Vierbeiner – die Tierwelt ist von einer Vielfalt, die schlicht gewaltig ist. Während wir Menschen damit beschäftigt sind, die Umwelt zu vereinnahmen, Asphalt zu gießen und Glasfassaden hochzuziehen, behauptet sich das Leben in den Nischen. Die Schönheit liegt oft direkt vor uns; manchmal muss man sich nur die Zeit nehmen, stehenzubleiben und wirklich hinzusehen.

In den vergangenen Jahren habe ich genau das getan. Mit der Kamera in der Hand habe ich versucht, diese Vielfalt einzufangen – mal in den kontrollierten Welten eines Zoos, mal in der wilden Natur direkt vor unserer Haustür in Nordrhein-Westfalen. Was dabei entstand, ist kein wissenschaftlicher Katalog, sondern eine Sammlung von Begegnungen. Momente der Ruhe, der Farbe und der überraschenden Nähe.


Eine Reise durch den Allwetterzoo Münster

Es war ein Sonntag im späten Mai, als ich mich auf den Weg nach Münster machte. Das Wetter zeigte sich von seiner typisch unentschlossenen Seite – ein Wechselspiel aus Wolkenlücken und Regenschauern, das für Fotografen oft ein Segen ist. Das diffuse Licht an diesem Tag wirkte wie ein riesiger Weichzeichner; keine harten Schatten, keine überstrahlten Lichter, nur sanfte Helligkeit.

Der Allwetterzoo, eine Institution im Münsterland seit seiner Eröffnung 1974, ist für solche Tage gebaut. Dank der berühmten „Allwettergänge” konnte ich mich trocken bewegen, als am frühen Nachmittag der Regen gegen die Scheiben trommelte. Doch es waren die Momente zwischen den Schauern, die im Gedächtnis blieben.

Begegnung mit dem Silberrücken

Als der Nachmittag voranschritt und das Licht weicher wurde, fand ich mich am Gehege der Gorillas wieder. Dort saß er: ein massiver Silberrücken. Sein Alter war ihm anzusehen; das charakteristische silbrig-graue Fell, das Männchen meist ab dem zwölften Lebensjahr entwickeln, bedeckte seinen gesamten Rücken. Er wirkte in sich gekehrt. Gorillas sind keine aggressiven Riesen, wie Filme es uns oft weismachen wollen, sondern hochsoziale, komplexe Wesen.

Dieser Patriarch saß am Rand eines künstlichen Bachlaufs und blickte in die Ferne. In einem Moment drehte er den Kopf, und seine Mimik wirkte fast philosophisch – ein Ausdruck von tiefer Gelassenheit, wie man ihn oft bei älteren Leittieren beobachtet, die ihre Autorität nicht mehr durch Gesten beweisen müssen, sondern durch bloße Präsenz ausstrahlen.

Explosion der Farben

Nur ein paar Schritte weiter bot sich ein völliger Kontrast zur ruhigen Würde des Gorillas. Bei den Regenbogenloris herrschte pure Anarchie der Farben. Diese australischen Papageien sind zwar klein, kaum größer als eine Amsel, aber ihr Gefieder ist eine optische Reizüberflutung: tiefblauer Kopf, neongrüner Nacken, orangefarbene Brust.

Sie waren ständig in Bewegung, sprangen von Ast zu Ast, getrieben von ihrer endlosen Suche nach Nektar. Ihre speziellen Pinselzungen, mit denen sie in der Natur Blütensaft auflecken, waren hier zwar nicht zu sehen, aber ihre neugierige, fast aufdringliche Art war unverkennbar. Es gelang mir, sie in einem seltenen Moment der Ruhe zu erwischen – bunte Farbtupfer gegen das Grau des verhangenen Himmels.

Stille Giganten und wachsame Zwerge

Schon zuvor war mir das Nashorn aufgefallen. Es stand reglos am anderen Ende seines Reviers, wie ein Felsblock in der Landschaft. Nashörner haben ihren eigenen Zeitrhythmus, der im Zoo oft durch die Fütterungszeiten der Pfleger überlagert wird. Doch in diesem Moment schien es einfach nur zu sein. Die Haut des Kolosses, übersät mit Rissen und Falten wie eine alte Landkarte, erzählte von einem langen Leben. Ich entschied mich später, eines dieser Bilder in Schwarzweiß zu entwickeln – ohne die Farbe trat die archaische Struktur dieses Tieres noch deutlicher hervor. Es wirkte wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.

Auch die Gänsegeier, oft als bloße Aasfresser missverstanden, zeigten im Profil eine unerwartete Ästhetik. Ihr weißer Halskragen, evolutionär entstanden, damit Blut und Fleischreste nicht im Gefieder kleben bleiben, wirkte im Porträt fast elegant. Und bei den Erdmännchen herrschte der gewohnte Alarmzustand: Während die Gruppe beschäftigt war, stand einer Wache – kerzengerade, die Augen überall, ein perfektes System kollektiver Sicherheit.


Die Wildnis vor der Haustür

Doch man muss nicht in den Zoo fahren, um faszinierende Mitbewohner zu finden. Zwischen 2014 und 2017 richtete ich meinen Blick immer öfter auf das, was in unseren Städten und Wäldern kreucht und fleucht.

Sommer in Düsseldorf

An einem heißen Junitag in Düsseldorf-Wersten, als die Luft über dem Asphalt flirrte, suchte ich Kühle am Wasser. Auf einem Teich zog eine Stockente ihre Bahnen. Sie sind so allgegenwärtig in unseren Parks, dass wir sie kaum noch wahrnehmen, dabei sind sie Meister der Anpassung an unsere urbane Welt.

Nur wenige Minuten später entdeckte ich einen Bienenstock. Das sprichwörtliche „geschäftige Treiben” war hier wörtlich zu nehmen. Was für uns wie Chaos aussieht, ist präzise Kommunikation. Ein Teil der Bienen tanzte – der berühmte Schwänzeltanz, mit dem sie ihren Schwestern exakte GPS-Koordinaten zu den besten Blüten verraten. Ein kollektives Superhirn, das mitten in der Stadt operiert.

Szenenwechsel in die Düsseldorfer Altstadt, ein kühlerer Aprilabend: Hier begegnete mir eine Bordeaux Dogge. Mitten im Trubel der Menschenmassen stand dieser massive Hund mit einer stoischen Ruhe, die beeindruckend war. Kein Bellen, kein Zerren an der Leine. Diese Rasse, einst als Wachhund gezüchtet, hat eine Souveränität, die ansteckend wirkt. Der Hund beobachtete das Treiben der Menschen mit einem Blick, der zu sagen schien: „Mich bringt nichts aus der Ruhe.”

Dramatik im Bergischen Land

In Wuppertal erlebte ich einen jener Abende, an denen die Luft elektrisch geladen ist. Gewitterwolken türmten sich am Horizont auf, das Licht wurde fahl und gelblich. Genau in diesem Moment landete eine Krähe auf einer Fernsehantenne. Ihre schwarze Silhouette gegen den drohenden Himmel wirkte wie ein Scherenschnitt. Krähen sind die heimlichen Eroberer unserer Städte; hochintelligent, anpassungsfähig und opportunistisch haben sie den urbanen Raum zu ihrem Revier gemacht. Antennen sind für sie wie Aussichtstürme in ihrem Beton-Dschungel.

Etwas versteckter, aber ebenso präsent im Bergischen, sind die Uhus. Dank erfolgreicher Wiederansiedlungsprojekte hallt ihr Ruf wieder durch die Täler der Wupper. Ein Porträt, das mir gelang, zeigt die intensiven Augen dieses Jägers, der lautlos durch die Nacht gleitet.

Die Kleinen ganz groß

Manchmal muss man aber auch ganz nach unten schauen. Im Wald von Haan legte ich mich an einem späten Mainachmittag flach auf den Boden, um einer Weinbergschnecke auf Augenhöhe zu begegnen. Sie ist die größte Gehäuseschnecke, die wir in Deutschland haben, und steht mittlerweile auf der Roten Liste. Ihr langsamer, stetiger Weg über das feuchte Laub hatte etwas Meditatives.

Und in Mettmann, im goldenen Licht eines Septemberabends, leuchtete mir ein roter Punkt auf einem Stein entgegen: eine Blutrote Heidelibelle. Insekten wie sie sind Indikatoren für intakte Gewässer. Ihr leuchtendes Rot war ein letzter Gruß des Sommers, bevor der Herbst einzog.


Fazit: Achtsamkeit für die Nachbarn

Wenn ich diese Bilder heute, Jahre später, betrachte, wird mir eines klar: Wir sind nicht allein. Die Trennung zwischen „Menschenwelt” und „Tierwelt” existiert nur in unseren Köpfen. Ob im geschützten Raum des Allwetterzoos oder auf einer Fernsehantenne in Wuppertal – Tiere sind präsent. Sie passen sich an, sie überleben, sie beobachten uns genauso wie wir sie.

Die Begegnung mit dem philosophischen Blick des Gorillas oder der stoischen Ruhe der Weinbergschnecke lehrt uns Achtsamkeit. Unsere tierischen Nachbarn machen unsere Welt nicht nur bunter und lebendiger, sie sind ein unverzichtbarer Teil des Ganzen. Es lohnt sich, ab und zu innezuhalten, das Smartphone wegzustecken und einfach nur zu beobachten. Die Vielfalt ist da. Wir müssen sie nur sehen.


Quellenverzeichnis

Literatur & Fachinformationen

Eigene Beobachtungen

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Rico Mark Rüde

Seit 2002 widmet er sich der urbanen Erkundung, indem er unbekannte Orte aufspürt, die oft im Verborgenen liegen, obwohl sie mitten unter uns sind. Seine Entdeckungen hält er fotografisch fest und bereichert sie in seinem Blog mit ausführlichen Recherchen und Texten. Neben seinem Interesse für das Urbexing engagiert er sich auch im Schreiben von Geschichten und Büchern sowie im detailreichen Modellbau.

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