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Diorama »Letztes Gefecht«: 🇩🇪 Tiger I & 🇺🇸 Sherman

Ein Baubericht im Maßstab 1:100: Tunnel, Felsen und Erde aus Hausmitteln. Und die Geschichte, die daraus wurde

Aus einem Sherman-Gussast, einem Tiger von Zvezda, einem Tunnel aus Gips und Hartschaum und Erde aus Kaffeesatz wurde über knapp zwei Jahre ein Diorama im Maßstab 1:100. Wie das manchmal so läuft: Ein altes Modell lag herum, und irgendwann dachte ich mir, das könntest du eigentlich mal verbauen. Ich habe daran gebaut, wenn ich Zeit und Lust hatte, an einem Bastelplatz im Schlafzimmer. Nicht glamourös, aber alles Nötige ist da.

Fertiges Diorama Letztes Gefecht in 1:100: links ein grauer Tiger, rechts ein olivgrüner Sherman, dazwischen ein Gleis, das in ein gemauertes Tunnelportal im Fels führt, im Tunnel die Front einer Panzerlok
Februar 2025: Tiger, Sherman und die Panzerlok im Tunnel. Die Basis passt auf eine Fensterbank.

Wer selbst ein Diorama bauen will, findet hier den Weg dahin: Tunnel, Felsen und Erde aus Material, das in fast jedem Haushalt herumliegt, Lok und Gleise aus dem Resin-Drucker. Dazu kommt eine Geschichte. Erst als die Szene fast fertig war, habe ich sie geschrieben. Sie heißt »Letzter Befehl« und ist inzwischen online. Das Diorama war also nicht die Illustration zur Story, es war umgekehrt. Am Ende lege ich Modell, Geschichte und das, was im Frühjahr 1945 im Harz wirklich los war, nebeneinander.

Warum ein Diorama in 1:100?

Ich hatte keinen Plan. Weder Moodboard noch Skizze. Viel plane ich bei meinen Hobbys ohnehin nicht vor, auch beim Modellbau nicht. Wo bliebe sonst der Spaß?

In einer Schublade lag noch ein Sherman in 1:100. Die Teile hingen als Gussast noch am Spritzrahmen. Ein Arbeitskollege hatte ihn mir vor Ewigkeiten gegeben. Hersteller? Keine Ahnung. Vermutlich irgendwas aus dem Bereich Flames of War, einem Tabletop-Spiel in 15 Millimetern. Zum Wegwerfen war er zu schade, allein im Regal wäre er aber zu klein gewesen. Dann kam noch ein Tiger I von Zvezda dazu, ebenfalls in 1:100. Damit hatte ich zwei Panzer im selben Maßstab und ein Bild im Kopf: Tunnel, Gleise, späte Kriegsphase. Mehr gab es zunächst nicht.

Von Mai 2023 bis Februar 2025 habe ich daran gebaut. So lange dauerte es nicht wegen des Aufwands, sondern weil ich nur etappenweise weitermachte. Manchmal lag alles wochenlang still. Dann ging es an einem Wochenende mit Tunnel, Felsen und Panzern auf einmal voran. Solche Projekte kennt man. Hinterher sagt man: »Da hab ich zwei Jahre dran gebaut.« Die tatsächliche Arbeitszeit lag wahrscheinlich im zweistelligen Stundenbereich.

Warum also 1:100? Ganz ehrlich: Ich habe den Maßstab nicht ausgesucht. Der Sherman brachte ihn mit. In 1:35 kann man sich an Details austoben. In 1:100 arbeitet man gröber, setzt einzelne Akzente und achtet darauf, wie alles aus etwas Entfernung wirkt. Für eine kompakte Szene funktioniert das erstaunlich gut. Auf kleiner Fläche finden zwei Fahrzeuge, ein Tunnel und etwas Gelände Platz.

Der Nachteil ist ebenso klar: Die Arbeit ist fummelig. Die Teile sind klein, die Kanten fein, und für Farbverläufe bleibt kaum Fläche. Nach einer längeren Sitzung spürt man Augen und Finger. Wer sonst in 1:35 baut, muss sich umstellen.

Wie groß ist ein Panzer in 1:100?

Ein Tiger I misst mit Rohr 8,45 Meter, im Maßstab 1:100 also 84,5 Millimeter. Beim Sherman nehme ich frühe Ausführungen mit der kurzen 75-mm-Kanone als Richtwert, etwa den M4A1: 5,84 Meter Länge und damit gut 58 Millimeter im Modell. Der Sherman ist etwas länger als zwei Zwei-Euro-Münzen nebeneinander. Der Tiger bringt es auf gut drei.

Maßstabsgrafik: Tiger I und Sherman in 1:35, 1:72 und 1:100 mit Längen in Millimetern und einer Zwei-Euro-Münze als Vergleich
Derselbe Tiger in drei Maßstäben. In 1:35 wären es schon gut 24 Zentimeter.
Größenvergleich: Panzerlok der Baureihe 57, Tiger I und Sherman M4A1 im selben Maßstab neben einem 1,80 Meter großen Menschen, mit Meterskala
Die Vorbilder im echten Größenverhältnis: Der Tiger ist fast fünfmal so lang, wie ein Mensch groß ist. Die Lok mit Tender ist mehr als doppelt so lang wie der Tiger.

Wie klein das in der Hand ist, sieht man an den Laufwerken des Shermans neben einer echten Münze.

Olivgrün lackierte Sherman-Teile in 1:100 auf Haltern aus Schaumstoff, daneben eine Zwei-Euro-Münze
Mai 2023: Turm, Wanne und Laufwerke des Shermans, frisch lackiert. Die Münze hat 25,75 Millimeter Durchmesser.

Diorama selber bauen: Tunnel und Gelände

Ohne den Tunnel hätte es weder Zug noch Szene gegeben. Im Netz fand ich eine Vorlage für ein Tunnelportal aus dem Modellbahnbereich. Sie gab mir eine grobe Richtung vor. Alles andere habe ich selbst gebaut, fast ausschließlich aus Material, das schon da war.

Schematischer Schnitt durch das Diorama mit Hartschaumbasis, Furnier, Erdmischung, Grasflock, Gipsfelsen, Tunnelportal, Schotter, Gleis, Bahnsteig und Kopfsteinpflaster
Was unter dem Gras steckt. Die Grafik zeigt Reihenfolge und Lage der Schichten, gemessen habe ich sie nicht.

Als Basis dient ein Hartschaumblock. Die Seiten habe ich mit Furnier verkleidet, damit das Ganze eine saubere Kante hat. Hinten stehen die Felsen samt Portal. Davor liegen ein Gleis, Erde, ein Bahnsteig und ein Stück Kopfsteinpflaster. Noch vor der Farbe bekam alles eine schwarze Grundierung mit One Shot Primer von Ammo. Danach habe ich die Flächen mit Grau aufgehellt. Auf den Fotos vom November 2024 sind beide Schritte zu sehen.

Rohbau des Dioramas: Felsen aus Gips und graviertes Tunnelportal, komplett schwarz grundiert, davor Gleis und Erdfläche
November 2024: Alles schwarz. In diesem Zustand sieht man am besten, wie die Alufolie den Gips geformt hat.

Nachbau: Tunnelportal aus Hartschaum

Für das Portal schnitt ich zuerst die Grundform aus einem Hartschaumblock. Anschließend habe ich mit Bastelmesser und Zahnstocher jeden Stein einzeln eingraviert. Das ist eine monotone Arbeit. Das leise, trockene Kratzen des Zahnstochers im Schaum gehört irgendwann einfach dazu. Der fertigen Mauer sieht man an, dass die Steine von Hand entstanden sind.

Material: Hartschaumblock, Bleistift, schwarzer Primer auf Wasserbasis (bei mir Ammo One Shot), graue Acrylfarbe.
Werkzeug: Bastelmesser mit frischer Klinge, Zahnstocher.

  1. Die Portalform mit Bogen auf den Schaum zeichnen. Eine Vorlage aus dem Modellbahnbereich hilft bei den Proportionen.
  2. Außenkontur und Tunnelöffnung mit dem Messer ausschneiden, lieber in mehreren flachen Schnitten als in einem tiefen.
  3. Mit dem Zahnstocher Stein für Stein eingravieren, die Bogensteine einzeln, nicht als durchgehende Linie.
  4. Schwarz grundieren und das Grau nur auf die Kanten bringen. Die Fugen bleiben dunkel.

Ein Problem beim Arbeiten: Hartschaum bröselt. Seine Krümel setzen sich überall fest, im Teppich, auf dem Schreibtisch und im Bett. Mit einer stumpfen Klinge wird es noch schlimmer. Sprühdosen mit Lösemittel sollte man ebenfalls weglassen. Hartschaum verträgt sie nicht und löst sich auf. Deshalb habe ich einen Primer auf Wasserbasis verwendet.

Nachbau: Felsen aus Gips und Alufolie

Die Felsen entstanden nach einer Methode, die im Modellbau seit Jahrzehnten im Einsatz ist. Kein Kauf-Felsen, keine Silikonform, sondern gewöhnlicher Gips aus dem Baumarkt. Beim Aushärten lag ein leicht kreidiger Geruch in der Luft, der sich mit dem typischen Schlafzimmer-Aroma mischte. Nicht unbedingt Wellness, aber genau das, was man von so einem Bastelplatz erwartet.

Material: Alufolie, Gips aus dem Baumarkt, Wasser, eine flache Schale oder ein Karton als Unterlage, Weißleim (Holzleim).
Werkzeug: Becher und Spatel zum Anrühren, alte Zeitung.

  1. Alufolie fest zerknüllen und wieder auseinanderziehen, ohne sie glattzustreichen. Die Knicke sind später die Felsstruktur.
  2. Die Folie in die Schale oder auf den Karton legen, sodass eine flache Mulde entsteht.
  3. Gips nach Packungsangabe anrühren und eingießen.
  4. Vollständig durchtrocknen lassen, dann die Folie abziehen.
  5. Die Platten in Stücke brechen, auf dem Hartschaum anordnen und mit Weißleim aufkleben, bis eine Formation mit Einbuchtung für das Portal entsteht.
  6. Schwarz grundieren, mit Grau aufhellen. Gips nimmt Farbe sehr gut an, jede Kante kommt heraus.
Tunnelportal und Felsen grau aufgehellt, davor Erdfläche mit erstem Gras, Schotterbett mit Gleis, ein Bahnsteig und Kopfsteinpflaster
Eine Woche später: Grau über Schwarz. Rechts liegt der noch unbemalte Bahnsteig aus Hartschaum, daneben das Kopfsteinpflaster vom alten H0-Bahnübergang (1:87).

Nachbau: Erde aus Kaffeesatz

Statt Spachtelmasse habe ich auf den Hartschaum eine selbst gemischte Erde aufgebracht. Nach dem Trocknen hat sie eine raue Oberfläche mit echter Körnung.

Material: getrockneter Kaffeesatz, gesiebte Erde, kleine Steinchen, Weißleim mit Wasser verdünnt, Acrylfarben.
Werkzeug: Sieb, Pinsel, Pipette oder Sprühflasche für den Leim.

  1. Den Kaffeesatz vorher vollständig trocknen lassen. Ich habe ihn einfach an der Luft liegen lassen. Feucht verarbeitet, kann er unter der Farbe schimmeln.
  2. Kaffeesatz, Erde und Steinchen mischen. Der Kaffeesatz bringt eine feine Körnung und eine erdige Grundfarbe mit.
  3. Die Fläche mit dem verdünnten Weißleim einstreichen, die Mischung aufstreuen und leicht andrücken.
  4. Von oben noch einmal mit Leim tränken, bis alles durchfeuchtet ist, und trocknen lassen.
  5. Zusammen mit der übrigen Basis schwarz grundieren, dann mit Acrylfarben abtönen.

Darauf habe ich Grasflock in verschiedenen Längen und einige Büsche gesetzt. Beides stammt von AK und wurde mit Leim aufgetragen, aufgeklopft und abgeschüttelt. Viel Vegetation gibt es nicht. Die Szene spielt im Frühjahr, und die Natur lebt, soll aber nicht die Hauptrolle übernehmen. Der Blick gehört dem Tunnel, den Panzern und der Lok.

Nicht alles auf der Basis ist selbst gebaut. Das Schotterbett unter dem Gleis ist Modellbahnschotter, fixiert mit verdünntem Weißleim. Den Bahnsteig, auf dem der Sherman steht, habe ich aus Hartschaum geschnitten. Das Kopfsteinpflaster daneben ist ein altes Stück eines H0-Bahnübergangs. Es lag in einer Kiste, die für den Müll gedacht war, und stammt vermutlich aus den Neunzigern. Dass es für einen anderen Maßstab gemacht wurde, sieht man ihm in der fertigen Szene nicht an.

Als Spielgelände eignet sich dieses Diorama übrigens nicht. Die Gipsfelsen würden häufiges Anfassen nicht lange mitmachen. Es gehört eher in eine Vitrine. Die Bauweise kann man trotzdem für Spielgelände in 15 Millimetern verwenden. Gipsfelsen und Kaffeesatzerde kosten fast nichts.

Die Fahrzeuge

Der Sherman

Der Sherman startete als reiner Gussast. Keine Schachtel, keine Anleitung, nur Teile an einem Rahmen. Teile abtrennen, versäubern, anpassen. Geklebt habe ich mit Tamiya Extra Thin, wie immer bei klassischen Plastikbausätzen. Das Zeug fließt in die Fugen, löst das Plastik leicht an und verschweißt es.

Unbemalte graue Sherman-Teile in 1:100 auf Zahnstochern in einem Schaumstoffblock
Mai 2023: Wanne, Turm und Laufwerke des Shermans, noch blanker grauer Kunststoff.

Bei der Farbe wollte ich mich am Vorbild orientieren, ohne nach bestimmten Farbnummern zu suchen. Die schwarze Grundierung sollte Tiefe schaffen und später als Schatten wirken. Darüber habe ich einen Olivton für den typischen Sherman-Look aufgetragen. Welcher Ton es genau war, weiß ich nicht mehr. Ich habe ihn nicht notiert, und der Bau liegt zu lange zurück. Der Panzer sollte wie ein Sherman aussehen, nicht wie ein Fantasiepanzer. Verwitterung bekam er kaum. Dahinter steckte keine dramaturgische Absicht, mir ging irgendwann schlicht die Luft aus.

Die genaue Sherman-Ausführung des Bausatzes kann ich nicht sicher bestimmen. Seine Wannenfront sieht eher kantig als gegossen aus. Für mehr ist das Teil zu klein und seine Herkunft zu unklar. Eine Inneneinrichtung gibt es in 1:100 nicht. Deshalb habe ich mich auf Kontur und Silhouette konzentriert. Aus normaler Entfernung ist er sofort als Sherman zu erkennen.

Der Tiger

Der Tiger I stammt von Zvezda, Bausatz 6256, im Maßstab 1:100. Für diese Größe ist er solide: erkennbare Turmform, Kanone, Laufrollen, typische Tiger-Silhouette. Gedacht ist er als Steckbausatz mit wenigen Teilen. Ich habe trotzdem jede Verbindung zusätzlich mit Tamiya Extra Thin geklebt. Auf einem Diorama, das ab und zu umgestellt oder angefasst wird, sollen Steckverbindungen nicht halten müssen. Die Montage lief ohne Katastrophen. Nichts ist abgebrochen, nichts musste gerettet werden.

Zuerst bekam auch der Tiger eine schwarze Grundierung. Darauf folgte ein Grau, dessen genaue Bezeichnung ich nicht mehr weiß. Frisch aus dem Werk sollte er nicht aussehen. Ich wollte abgenutzte Kanten, dunkle Vertiefungen, Lackabplatzer sowie Staub und Schmutz an Ketten und Unterwanne. An einigen Stellen kam etwas Rost dazu. Fertig sah er aus wie ein Veteran, der zu viele Kilometer und zu wenige Wartungstage hinter sich hat.

Lok und Kleinteile aus dem Resin-Drucker

Die Szene brauchte einen Zug. Ein Tunnel mit leerem Gleis wirkt wie eine leere Bühne. Zugegeben: Dass da eine echte Lok hineingehört, hat mir meine Partnerin ins Ohr gesetzt. Auf Thingiverse fand ich die Datei »1_72 Panzerlok BR57« von Skyfox3Ddesigns, freigegeben unter der Lizenz CC BY 4.0. Gedacht ist sie für 1:72, für meine Szene also zu groß.

Blick über Schotterbett und Gleis in das graue Tunnelportal mit eingravierten Steinen
Ende November 2024: Gleis und Schotter liegen, das Portal ist fertig. Die Lok fehlt noch.

Nachbau: Fremde Druckdatei auf 1:100 bringen

Material: Druckdatei, Resin-Drucker, Harz, Isopropanol zum Waschen, UV-Licht zum Nachhärten.
Werkzeug: Druckvorbereitungs-Software (Slicer), Seitenschneider, feines Schleifpapier, Bastelmesser.

  1. Faktor rechnen. Die Maßstabszahl der Vorlage geteilt durch die Maßstabszahl des Ziels. Aus 1:72 wird 1:100 mit 72 durch 100, also 0,72 oder 72 Prozent. Eine Datei für H0 (1:87) bekommt 0,87.
  2. Nur drucken, was man sieht. Ich habe die Lok nach dem Skalieren im Slicer hinter den vorderen fünf Zentimetern abgeschnitten. Der Rest verschwindet ohnehin im Tunnel. Das spart Harz und Druckzeit.
  3. Drucken, waschen, nachhärten. Stützen nach dem Waschen entfernen, Ansatzpunkte vorsichtig verschleifen.
  4. Einpassen. Die Lokfront so ins Portal setzen, dass die Schnittkante im Dunkeln liegt.

⚠️ Sicherheitshinweis: Ich drucke mit Anycubic Standard-Resin. Laut Sicherheitsdatenblatt des Herstellers (Revision 3.0 vom 10.11.2023) kann das flüssige Harz allergische Hautreaktionen auslösen und reizt Augen und Atemwege. Deshalb nur mit chemikalienfesten Handschuhen nach EN 374 und Schutzbrille arbeiten, nur in einem gut gelüfteten Raum drucken und waschen und flüssige Reste samt Behälter zu einer zugelassenen Entsorgungsstelle bringen, nicht in den Ausguss.

Anschließend habe ich die Lokfront farblich an den Rest der Szene angepasst und mit Staub und Schmutz gealtert. Sie sollte nicht zum Wrack werden. Man sollte ihr aber ansehen, dass sie schon einiges hinter sich hat.

Die Gleise sind auch gedruckt, aus einer Datei mit H0-Schienenprofilen, auf 1:100 skaliert. Das Ergebnis sind saubere Schienen, die sich gut auf Schotter und Erde verkleben lassen. Nur stabil sind sie nicht. Ich musste beim Zusammenbau mehrmals nachkleben, Schienen in dieser Größe sind äußerst zerbrechlich. Fässer, Kanister und Kisten stammen ebenfalls aus Thingiverse-Dateien, skaliert und gedruckt wie die Lok. Sie lockern das Bild auf und geben dem Auge am Rand etwas zu tun.

Die Vorbilder: Tiger I und Sherman

Tiger I

Henschel baute den Panzerkampfwagen VI Tiger I von Juli 1942 bis August 1944 in Kassel. In diesem Zeitraum entstanden 1.347 Fahrzeuge. Diese Angaben stammen vom Tank Museum in Bovington, das mit dem Tiger 131 selbst einen erbeuteten Tiger besitzt. Rund 57 Tonnen wog der Panzer. Er hatte fünf Mann Besatzung und war mit der 8,8-cm-KwK 36 L/56 bewaffnet, einer aus der bekannten 8,8-cm-Flak abgeleiteten Kampfwagenkanone. Seine Bugpanzerung war 100 Millimeter stark, die Blende vor der Kanone noch stärker.

Die Stärke hatte ihren Preis. Mit über 50 Tonnen arbeiteten Laufwerk und Getriebe an ihrer Grenze. Ohne regelmäßige Wartung fiel der Tiger häufig aus, und der hohe Verbrauch begrenzte seine Reichweite. Genau dieses Bild hatte ich beim Bauen im Kopf: ein schwerer Panzer, der noch da ist, dessen Zeit aber abgelaufen ist.

Die Farbe meines Tigers passt allerdings nur bedingt. Neue Panzer verließen das Werk ab Februar 1943 in Dunkelgelb und nicht mehr in Grau. Mein grauer Tiger müsste 1945 also aus der ersten Serie stammen und wohl nie neu lackiert worden sein. Solche alten Fahrzeuge waren noch vorhanden. Das Tank Museum berichtet von sechs Tigern aus der Panzerschule, die im April 1945 noch einer Kampfgruppe zugeteilt wurden.

Sherman

Der M4 Sherman auf der anderen Seite war der Standardpanzer der US-Armee. Allein in den USA entstanden zwischen Februar 1942 und Juli 1945 rund 49.000 Stück. Meist wird die Zahl 49.234 genannt. Frühe Ausführungen hatten eine 75-mm-Kanone M3. Bei vielen späteren Modellen wurde sie durch eine 76-mm-Kanone ersetzt.

Gegenüber dem Tiger waren Kanone und Panzerung des Shermans schwächer. Dafür ließ er sich leichter bauen, warten und versorgen. Außerdem war er in ganz anderen Stückzahlen vorhanden. Meine Lesart, die sich auch in vielen Darstellungen findet: Ein Sherman allein war einem Tiger unterlegen. Shermans fuhren aber selten allein, und Artillerie sowie Jagdbomber standen hinter ihnen.

Im Diorama ist der Sherman nicht heroisch in Szene gesetzt. Er steht für die andere Seite dieser späten Kriegstage: Der Krieg ist fast vorbei, aber die Fahrzeuge rollen noch.

Modell, Geschichte, Wirklichkeit

Was die Geschichte »Letzter Befehl« aus der Szene gemacht hat, ohne mehr zu verraten: Harz, Mai 1945, der Krieg ist offiziell vorbei. Vor einem Eisenbahntunnel steht ein Tiger, dessen Motor seit Wochen tot ist. Ihm bleibt die letzte Kiste Granaten. Dann rollt ein Sherman heran. Im Tunnel wartet eine Fracht, die nicht in fremde Hände fallen darf, und der Befehl, sie zu vernichten.

Modell, Geschichte und Quellenlage lassen sich so nebeneinanderstellen:

Modell »Letzter Befehl« Wirklichkeit
Tiger grau, stark verwittert, neben dem Portal Motor seit Wochen tot, steht vor dem Portal Die Produktion endete im August 1944. Ob im Harz Tiger I im Einsatz waren, konnte ich nicht belegen.
Sherman olivgrün, sauber, Ausführung unbekannt ein M4A1, »noch recht frei von Kampfspuren« Der M4A1 hatte eine gegossene, gerundete Oberwanne. Gebaut wurden davon 6.281 mit 75-mm- und 3.426 mit 76-mm-Kanone.
Lok Front einer gepanzerten BR 57, aus 1:72 verkleinert Panzerlok BR 57, darin die Fracht Hinter der Baureihe 57 steckt vor allem die preußische G 10, eine Güterzuglok. Nach der Bausatz-Literatur fuhren gepanzerte Maschinen dieser Baureihe als Lok der Panzerzüge BP 42 und BP 44, vor allem im Osten. Im Harz ist das nicht belegt.
Ort und Zeit »letzte Kriegstage 1945«, kein Ort Harz, Mai 1945, nach Kriegsende Die deutsche 11. Armee im Harz kapitulierte am 21. oder 23. April 1945, die Quellen nennen beide Daten. Die Geschichte setzt ihre Szene danach an.
Ladung Fässer, Kanister, Kisten am Rand die letzte Kiste Granaten, die Fracht im Tunnel Erfunden.

Beim Sherman gibt es noch einen Unterschied. In der Geschichte ist er ein M4A1. Mein Modell hat eher eine kantige Front und ist deshalb wohl kaum einer. Sauber sind beide: In der Geschichte war er »noch recht frei von Kampfspuren«, bei meinem Modell war mir die Luft ausgegangen.

Fertiges Diorama: olivgrüner Sherman auf dem Bahnsteig, dahinter ein grauer, verwitterter Tiger neben dem Tunnelportal im Fels
Februar 2025: Der Sherman steht auf dem Bahnsteig, der Tiger wartet am Portal.

Was ich gelernt habe

Ein Prestigeprojekt war dieses Diorama nie. Es war ein typischer Bau für zwischendurch und hat mir gerade deshalb einiges gezeigt. Schienen aus dem Drucker brechen in 1:100 schon beim schiefen Ansehen. Bei einer Lok reicht der Teil, den man aus dem Tunnel sehen kann. Und bevor eine Kiste im Müll landet, lohnt sich ein letzter Blick hinein.

Der Maßstab 1:100 wird trotzdem nicht mein Favorit. Man kann aber etwas daraus machen. Der Tiger sieht darin überraschend wuchtig aus. Der Sherman bleibt klein, ist aber deutlich präsent. Die halb im Tunnel stehende Lokfront zieht den Blick nach hinten. Insgesamt wirkte die fertige Szene geschlossener, als ich zwischendurch gedacht hatte.

Andere Dioramen auf der Seite sind ganz anders entstanden, etwa die Boeing 747 von Revell auf ihrem Flugfeld oder Baby Groot aus dem Drucker auf seinem Sockel. Alle Daten zu diesem hier stehen im Projekt auf Scalemates, die Bilder in voller Größe in der Galerie unter dem Beitrag.

Wer selbst mit einem Diorama in 1:100 oder 1:72 liebäugelt: Nimm, was da ist. Einen herumliegenden Bausatz, einen Maßstab, den du sonst meidest. Bei mir stand am Ende ein Tiger, der nicht mehr fährt, vor einem Tunnel, aus dem nichts mehr herauskommt. Wie es dort weitergeht, steht in »Letzter Befehl«.

Quellen

  • Tank Museum Bovington: Building the Tiger Tank (Stückzahl, Bauzeit, Henschel in Kassel)
  • Wikipedia: Tiger I, nach Jentz und Doyle sowie Trewhitt (Gewicht, Bewaffnung, Panzerung, Länge)
  • Wikipedia: M4 Sherman, nach Zaloga (Stückzahlen, Ausführungen, Längen)
  • Wikipedia: 11. Armee (Wehrmacht) sowie die After-Action-Reports der 8th Armored Division auf 8th-armored.org (Harz, April 1945)
  • Heeresmitteilung Nr. 181 vom 18. Februar 1943 zur Grundfarbe Dunkelgelb, nach miniatures.de und armorama.com
  • Wikipedia: Preußische G 10 (Baureihe 57)
  • Bausatz-Reviews auf militarymodelscene.com und armorama.com (gepanzerte BR 57 in den Panzerzügen BP 42 und BP 44)
  • Anycubic: Sicherheitsdatenblatt Standard Resin, Revision 3.0 vom 10.11.2023
  • Europäische Zentralbank: technische Daten der Euromünzen
  • Thingiverse: »1_72 Panzerlok BR57« von Skyfox3Ddesigns, CC BY 4.0

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Quellen
Tank Museum Bovington: Building the Tiger TankTank Museum Bovington: Crouching Tiger, Hidden CometWikipedia: Tiger IWikipedia: M4 ShermanWikipedia: 11. Armee (Wehrmacht)Wikipedia: Preußische G 10Thingiverse: 1_72 Panzerlok BR57 von Skyfox3Ddesigns (CC BY 4.0)Europäische Zentralbank: Euromünzen

Rico Mark Rüde

Seit 2002 widmet er sich der urbanen Erkundung, indem er unbekannte Orte aufspürt, die oft im Verborgenen liegen, obwohl sie mitten unter uns sind. Seine Entdeckungen hält er fotografisch fest und bereichert sie in seinem Blog mit ausführlichen Recherchen und Texten. Neben seinem Interesse für das Urbexing engagiert er sich auch im Schreiben von Geschichten und Büchern sowie im detailreichen Modellbau.

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