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Sinnliche Versuchung

Bettgeschichten · Folge 003

»Ich kann allem widerstehen, nur nicht der Versuchung

Oscar Wilde

14. Januar 2022, 19:40 Uhr / UTC+1 – Vinohrady, Prag, Tschechien

Der Schneeregen erwischte sie auf den letzten hundert Metern. Elena zog den Mantelkragen höher, überquerte die Gleise und tauchte in den Hauseingang, während hinter ihr die Straßenbahn quietschend in die Kurve ging. Im Flur roch es nach kaltem Stein und Bohnerwachs. Sie schüttelte die Nässe aus dem Haar und blieb einen Moment vor den Briefkästen stehen, wie jeden Abend.

Elena Beránek. Weiße Schrift auf schwarzem Plastik, dritte Reihe, zweiter Kasten.

Zwei Monate lebte sie jetzt mit diesem Namen. Sie hatte aufgehört, beim Lesen zu zögern.

Der Kasten war leer. Er war immer leer, und genau so sollte es sein. Sie stieg die Treppe hoch, vorbei an den hohen Fenstern zum Hinterhof, in denen das gelbe Licht der Straßenlaternen hing. Vierter Stock. Auf dem Flur zwei Türen, ihre links, seine rechts.

Aus der Wohnung gegenüber kam Musik, leise, etwas mit viel Bass. Sie kannte den Mann dahinter nicht. Sie kannte nur seinen Gang im Treppenhaus, das dunkle Haar, das ihm in die Stirn fiel, die Art, wie er ihr an der Haustür den Vortritt ließ, ohne daraus eine Geste zu machen. Dreimal, vielleicht viermal hatten sich ihre Blicke getroffen, ein paar Sekunden zu lang, um Zufall zu sein. Sie hatte ihn eingeordnet, ohne es zu wollen. Groß. Ruhig. Wach. Eine alte Gewohnheit, das Einordnen. Dann hatte sie jedes Mal zuerst weggesehen.

Sie schloss ihre Tür auf, ließ sie ins Schloss fallen und stand still.

Endlich allein.

Die Wohnung war möbliert vermietet, hohe Decken, knarrendes Parkett, ein Heizkörper, der beim Aufdrehen knackte wie ein müdes Tier. Nichts hier gehörte ihr, und trotzdem war es der einzige Ort in dieser Stadt, an dem sie niemand ansah. Der Tag hing ihr noch in den Schultern. Zu viele Stimmen, zu viele Gesichter, zu viel Höflichkeit. Seit Wochen ging das so: früh raus, spät zurück, dazwischen jede Stunde verplant, jedes Wort abgewogen. Sie funktionierte. Sie funktionierte gut. Aber irgendwo unter dem Funktionieren hatte sich etwas aufgestaut, das sich nicht mehr wegatmen ließ, und heute Abend hatte sie beschlossen, es nicht mehr zu versuchen.

Sie zog die nassen Stiefel aus, den Rest des Tages gleich mit. Bluse, Hose, Wäsche, alles landete über der Stuhllehne. Dann öffnete sie die unterste Schublade der Kommode und nahm heraus, was sie seit Wochen nicht getragen hatte. Das hauchdünne Spitzen-Top, türkisblau, so fein, dass es unter den Fingern kaum Gewicht hatte. Das winzige Höschen aus schwarzer Seide. Nicht für jemanden. Für sich.

Sie verteilte Kerzen im Schlafzimmer, auf der Fensterbank, der Kommode, dem Bücherbord, und zündete sie eine nach der anderen an. Das Zimmer füllte sich mit warmem, unruhigem Licht, mit dem Duft von Vanille und einem Hauch Moschus, der sich über den kalten Geruch des Altbaus legte. Draußen schlug der Schneeregen gegen die Kastenfenster, ein feines, gleichmäßiges Prasseln. Die Welt schrumpfte auf dieses eine Zimmer zusammen.

Elena streifte das Top über, spürte die Spitze über ihre Haut ziehen, dann das Höschen, das sich an ihre Hüften schmiegte wie eine Versuchung. Zuletzt der Kimono, seidig und kühl. Sie trat vor den hohen Spiegel neben der Kommode.

Die Frau darin sah sie an, als hätte sie auf sie gewartet.

Kupferrotes Haar, schwer und lang, bis über die Brust, im Kerzenlicht voller goldener Fäden. Der Winter hatte ihre Haut hell werden lassen, hell genug, dass die Sommersprossen auf Nase und Wangen deutlicher hervortraten, ein feiner Sprühnebel, der sich über die Schultern bis aufs Dekolleté zog. Grüne Augen, die das Kerzenlicht ins Blaugrüne kippte. Sie öffnete den Kimono, ließ ihn hängen. Das Top verbarg nichts. Ihre vollen Brüste spannten den dünnen Stoff, die Warzen zeichneten sich hart unter den feinen Maschen ab, blass rosé unter Türkis. Die schmale Taille, der flache Bauch, die runde Linie ihrer Hüften. Ein Körper, der seit Wochen nichts anderes tat als gehorchen. Laufen, sitzen, warten, lächeln.

Heute Nacht nicht.

Sie ließ den Kimono von den Schultern gleiten und legte sich aufs Bett.


Die Laken waren kühl unter ihren Oberschenkeln. Der Gegensatz, die Kälte des Stoffs gegen ihre schon warme Haut, ließ einen Schauer durch sie laufen, der irgendwo im Nacken anfing und tief unten endete.

Elena schloss die Augen und ließ ihre Finger langsam über die nackten Arme gleiten. Gänsehaut breitete sich aus wie eine Welle. Als ihre Fingerspitzen den Hals erreichten, entkam ihr ein leises Stöhnen, rauchig und dunkel in der Stille des Zimmers, und sie erschrak fast über die eigene Stimme. Wie lange hatte sie sich selbst nicht mehr gehört?

Ihre Hand wanderte tiefer, über die Brust, und sie spürte, wie sich ihre Brustwarzen unter der Spitze zusammenzogen, hart und empfindlich. Sie nahm sich Zeit. Strich über den dünnen Stoff, umkreiste die harten Punkte, drückte sanft zu, bis ihr Atem schneller ging. Schwerer.

Dann weiter. Über den flachen Bauch, der sich unter der Berührung spannte, bis zu der Stelle, nach der ihr Körper seit Stunden schrie. Seit Tagen, wenn sie ehrlich war.

Ihre Finger glitten über die schwarze Seide. Die Reibung war so süß, dass sie für einen Moment benommen wurde. Ein verlangendes Beben lief durch ihre Schenkel, ihre Beine öffneten sich von selbst, und sie gab der prickelnden Hitze nach, die unter dem Stoff wuchs. Die Seide wurde feucht unter ihren Fingerspitzen, klebte an ihrer Spalte, und jede kreisende Bewegung schickte einen neuen Funken durch ihren Unterleib.

Keine Regeln mehr. Keine Disziplin. Nur das ungezähmte Verlangen, das sie durchflutete und mit jeder Berührung tiefer in diesen Rausch zog.

Mit geschlossenen Augen ließ sie sich fallen. Ihre Finger bewegten sich schneller, drückten fester, als könnte sie nur so die unerträgliche Spannung lösen, die sich seit Wochen in ihr aufgebaut hatte. Die Welt um sie herum verblasste. Nur noch die Hitze zählte, der Druck, der mit jedem Atemzug wuchs. Ihre Hüften hoben sich im Rhythmus ihrer Hand, drängten sich ihr entgegen, fordernd, ungeduldig.

Ein verzücktes Keuchen entwich ihr, dann noch eins, dann verlor ihr Atem jede Ordnung. Ihr Herz hämmerte. Die Welle baute sich auf, stieg, brach über ihr zusammen, und Elena bebte, die Finger fest gegen die nasse Seide gepresst, während die Lust in langen, warmen Stößen durch sie rollte.

Sie blieb liegen, atemlos. Der erste Orgasmus der Nacht. Ganz sicher nicht der letzte.

Diese Nacht gehörte ihr. Und sie würde sich nicht zurückhalten.


Ihre Berührungen wurden ungeduldiger.

„Oh ja…“, flüsterte sie heiser, als ihre Hand über den Bauch glitt. Die Haut darunter fühlte sich heiß an, jede Berührung schickte kleine Schauer durch ihren Körper, und das Nachbeben des ersten Höhepunkts machte alles empfindlicher, dünner, durchlässiger.

Sie schob das winzige Höschen mit zitternden Fingern über die Hüften, streifte es ab, ließ es irgendwo neben dem Bett fallen. Darunter war sie glatt und nass, und schon der erste sanfte Strich ihrer Fingerspitzen über die geschwollene Spalte war so intensiv, dass sich ihr Rücken vom Laken hob.

„Gott… das fühlt sich so gut an…“

Mit der anderen Hand schob sie die zarte Spitze des Tops zur Seite und ließ ihre Brust frei. Ihre Finger fanden die harte Warze, massierten sie zwischen Daumen und Zeigefinger, und ein leises, unkontrolliertes Stöhnen fiel von ihren Lippen, dunkler jetzt, tiefer.

Alles fühlte sich geschärft an. Die Hitze breitete sich aus, unerbittlich, ein brennendes Verlangen, das von den Zehenspitzen bis in ihren Kopf kroch. Ein süßer, quälender Sog, der sie verrückt machte.

Ihre Finger glitten tiefer, teilten die nassen Lippen, fanden den pulsierenden Punkt über ihrer Spalte, und sie ließ ihre Berührungen kreisen, mal federleicht, mal drängend, während sie die Beine weiter spreizte. Das Bett knarrte leise unter ihren Bewegungen. Draußen prasselte der Schneeregen gegen die Fenster, ein konstantes Trommeln, das die Welt auf sie und diesen Moment zusammenzog.

„Ja… genau so…“

Sie trieb sich selbst voran, zwei Finger tief in der eigenen Hitze, der Handballen fest gegen den empfindlichsten Punkt gepresst. Der Druck wuchs, baute sich unaufhaltsam auf, jeder Gedanke war auf diese eine Stelle zusammengeschmolzen.

Dann überrollte sie die zweite Welle, härter als die erste. Ihr Körper zuckte, ihre Schenkel schlossen sich um die eigene Hand, und ihr Stöhnen hallte ungefiltert von den hohen Wänden zurück, während die Lust sie in unregelmäßigen, heftigen Stößen durchlief.

Sie lag da, völlig aufgelöst, die Haut glühend, das Haar wie Kupferdraht über dem Kissen verteilt. Und trotzdem verlangte ein Teil von ihr nach mehr.

Viel mehr.


Ein Klopfen durchbrach die Stille.

Elena erstarrte, die Hand noch zwischen den Beinen. Erst jetzt fiel ihr auf, dass die Musik von gegenüber irgendwann verstummt war, ohne dass sie es gemerkt hatte. Zwei Schläge, ruhig, unaufgeregt, an ihrer Wohnungstür. Kein Läuten von unten, keine Sprechanlage. Jemand aus dem Haus.

Ihr Herz schlug zweimal hart gegen die Rippen, dann holte sie es ein. Sie lag ganz still und rechnete nach. Die Wände hier waren dick, aber nicht dick genug, und sie war alles andere als leise gewesen.

Sie wusste, wer vor der Tür stand, bevor sie durch den Spion sah.

Elena angelte das Höschen vom Boden, streifte es über und band den Kimono locker darüber. Dann ging sie barfuß durch den Flur. Das Parkett war kalt unter ihren Sohlen. Durch das kleine Glasauge: der Nachbar, verzerrt und rund, das dunkle Haar zerwühlt, die Hände entspannt an den Seiten. Er stand nicht wie jemand, der sich beschweren wollte. Er stand wie jemand, der Zeit hatte.

Sie hätte nicht öffnen müssen. Das war der Punkt, an dem sie später keine Ausrede haben würde: Sie wollte.

Die Tür ging einen Spalt auf, die Kette blieb eingehängt.

Er war größer, als sie ihn vom Treppenhaus in Erinnerung hatte. Das Kerzenlicht aus dem Schlafzimmer reichte bis in den Flur und legte sich warm auf sein Gesicht. Seine Augen glitten über sie, über das feuchte Haar, den locker gebundenen Kimono, die nackten Beine darunter, ohne Hast und ohne Entschuldigung.

„Ich habe dich gehört“, sagte er einfach. Seine Stimme war rau und tief, und sie passte zu der Musik, die manchmal durch seine Tür sickerte.

Ihre Wangen wurden heiß. Sie ließ es zu, weil dagegen ohnehin kein Kraut gewachsen war. „Und?“

„Und ich dachte, du könntest vielleicht Gesellschaft gebrauchen.“

Sie hätte die Tür zuschlagen sollen. Stattdessen hörte sie sich fragen: „Was willst du?“

Er trat einen halben Schritt näher. Sie roch ihn jetzt, Sandelholz, warme Haut, ein Rest kalter Winterluft, als wäre er eben noch am offenen Fenster gestanden. „Dieselbe Frage könnte ich dir stellen, Elena.“

Ihr Name. Sie hatte nie ein Wort mit ihm gewechselt.

„Briefkasten“, sagte er, als hätte er ihre Gedanken gelesen. „Elena Beránek, 4B.“

Der Name, der nicht ihr gehörte, aus diesem Mund, mit dieser Stimme. Etwas daran hätte sie warnen sollen. Stattdessen zog es irgendwo tief in ihr, an einer Stelle, die mit Vernunft nichts zu tun hatte. Die Frau auf dem Briefkastenschild hatte keine Vergangenheit und keine Verpflichtungen. Die Frau auf dem Briefkastenschild konnte tun, was sie wollte.

„Du liest fremde Briefkästen“, sagte sie.

„Ich bin aufmerksam.“ Keine Entschuldigung darin. Nur eine Feststellung.

Elena musterte ihn durch den Türspalt. Er hielt ihrem Blick stand, ohne zu drängen, ohne zu betteln, und genau das machte es schwer. Männer, die drängten, konnte man wegschicken. „Was genau bietest du an?“

Er lachte leise, ein dunkles, wissendes Geräusch. „Direkt. Das gefällt mir.“

„Ich habe keine Zeit für Spielchen.“ Eine Lüge. Sie hatte alle Zeit der Welt, und er wusste es.

„Gut.“ Er lehnte sich näher, sein Gesicht auf Höhe des Spalts. „Dann sage ich es klar: Ich bin hier, weil die Stille in meiner Wohnung mich verrückt macht. Und weil das, was ich durch diese Wand gehört habe, nicht nach jemandem klang, der die eigene Stille noch eine Nacht länger erträgt.“

„Ich kenne dich nicht“, sagte sie.

„Nein. Aber du bist neugierig. Sonst wäre die Tür längst zu.“

Verdammt. Sie spürte, wie ihre Mundwinkel arbeiten wollten, und hielt sie fest. Ihre Augen, das wusste sie, waren schwerer zu bändigen.

„Und wenn ich Nein sage?“

„Dann gehe ich und lasse dich in Ruhe. Für immer, wenn du willst.“ Einfach. Klar. Sie glaubte ihm.

Das war das Problem.

„Unter einer Bedingung“, sagte sie schließlich.

„Welche?“

„Keine Lügen. Keine Spielchen. Wenn ich Stopp sage…“

„…dann stoppe ich.“ Er beendete den Satz, als hätte er ihn selbst geschrieben. „Einverstanden.“

Elena schob die Kette aus der Schiene und trat zur Seite. Die Tür öffnete sich.


Er schloss sie hinter sich, und das Einrasten des Schlosses hallte durch den Flur wie ein Punkt am Ende eines Satzes. Dann blieb er stehen. Einfach stehen, die Hände locker, den Blick auf ihr.

„Du stehst da, als würdest du auf Anweisungen warten“, sagte Elena, ihre Stimme spitzer, als sie wollte.

„Tue ich auch.“

„Von mir?“

„Von dir.“ Seine Augen verließen ihre nicht.

Sie verschränkte die Arme, was den Kimono über der Brust spannte und seinen Blick für einen Moment nach unten zog. „Du bist derjenige, der geklopft hat.“

„Ich wollte dir ein Angebot machen“, sagte er ruhig. „Aber ich nehme nichts, was nicht erwidert wird.“

„Und wenn ich nichts zu erwidern habe?“

„Dann gehe ich.“ Er zuckte nicht mal mit der Schulter dabei.

Minutenlang sagte keiner von beiden etwas. Die Stille zwischen ihnen war nicht leer, sie war geladen, ein Summen dicht unter der Haut. Die Kerzen im Schlafzimmer warfen unruhiges Licht durch die offene Tür, draußen rauschte der Schneeregen, und irgendwo unten quietschte eine späte Straßenbahn durch die Kurve.

Dann trat Elena näher. Ein Schritt. Noch einer. Bis sie direkt vor ihm stand, so nah, dass sie die Wärme seines Körpers durch das Hemd spüren konnte und den Sandelholzgeruch auf seiner Haut.

„Ich will keine Beziehung“, sagte sie leise, aber fest. „Keine Versprechen. Kein Frühstück und keine Fragen. Ich will eine Nacht, die mir gehört.“

„Das kann ich dir geben.“ Er hob langsam eine Hand und strich ihr eine kupferrote Strähne aus dem Gesicht. Die Berührung war so leicht, dass es fast wehtat. „Wenn du mir vertraust.“

„Vertrauen ist ein großes Wort für einen Mann, dessen Vornamen ich nicht kenne.“

Ein Lächeln zog an seinem Mundwinkel. „Doch, kennst du. Du liest Briefkästen genauso gut wie ich.“

Sie ließ es sich einen Atemzug lang auf der Zunge liegen. „Marek.“

„Siehst du“, sagte er. „Wir kennen uns.“

Sie hasste es, dass sie lächeln musste. Ihre Augen hatten sie längst verraten, das spürte sie, und zum ersten Mal seit Wochen war es ihr egal.


Der Flur war plötzlich zu klein. Zu heiß. Zu voller Möglichkeiten.

Dann beugte er sich vor.

Sein Mund fand ihren mit einer Sicherheit, die keine Fragen zuließ. Der Kuss war nicht wild, nicht gierig. Er war präzise. Kontrolliert. Fordernd. Elena erstarrte für einen Herzschlag, die Hände hilflos in der Luft, dann schmeckte sie ihn, Kaffee, Minze, etwas Dunkles darunter, und etwas in ihr gab nach, ein Riegel, der sich zurückschob.

Ihre Lippen öffneten sich.

Seine Zunge glitt zwischen sie, erkundete sie mit einer Langsamkeit, die fast grausam war. Jede Berührung kalkuliert, jede Bewegung beabsichtigt. Er küsste sie, wie man ein Geheimnis entschlüsselt.

Ihre Hände fanden endlich seinen Nacken, ihre Finger vergruben sich in seinem Haar. Sie zog ihn näher, wollte mehr, brauchte mehr. Aber Marek hielt das Tempo. Seine Hände glitten zu ihrer Taille, umfassten sie fest, zogen sie so nah an sich, dass kein Raum mehr zwischen ihnen blieb. Sie spürte ihn durch den Stoff, hart und ungeduldig, und das Wissen, dass seine Ruhe eine Fassade war, machte sie schwindlig.

„Zieh dich aus“, keuchte sie gegen seinen Mund.

„Noch nicht“, murmelte er, sein Lächeln an ihren Lippen spürbar. „Wir haben Zeit.“

„Ich will keine Zeit.“ Ihre Stimme brach dunkler, als ihr lieb war.

„Doch. Willst du.“ Er biss sanft in ihre Unterlippe. „Vertrau mir.“

Und verdammt noch mal, sie tat es.

Er führte sie rückwärts ins Schlafzimmer, sanft und fordernd zugleich, seine Hände überall, an ihrer Taille, ihrem Rücken, ihrem Hintern, und wo sie gewesen waren, blieb die Haut heiß zurück. Der Kimono glitt von ihren Schultern wie Wasser und blieb irgendwo auf dem Parkett liegen.

Elena stand vor ihm im dünnen Spitzen-Top und dem winzigen schwarzen Höschen, und beides verbarg nichts. Das Kerzenlicht lag auf ihrer hellen Haut, auf den Sommersprossen über ihrem Dekolleté, auf dem Kupfer ihres Haars.

Marek trat einen Schritt zurück. Sah sie an.

Nicht gierig. Nicht lüstern. Andächtig.

„Du bist wunderschön“, sagte er, und seine Stimme klang rau, fast gebrochen.

Elena hob eine Braue. „Das sagen alle Männer.“

„Nein.“ Er schüttelte langsam den Kopf. „Ich meine nicht nur deinen Körper. Ich meine dich. Die Art, wie du eine Tür öffnest, als würdest du sie jederzeit wieder schließen können.“

Ihr Atem stockte. Sie hatte Komplimente gehört, gute und einstudierte, und sie kannte den Unterschied.

„Dann zeig mir, was du sonst noch kannst“, sagte sie, und ihre Stimme hatte diesen dunklen, verruchten Unterton, der Männern die Sätze aus dem Kopf wischte.

Er tat es.

Marek legte sie aufs Bett, sanft, nicht grob. Dann kniete er sich neben sie und begann sie zu berühren. Erst die Schultern, dann die Arme, der Bauch, die Hüften. Er vermied absichtlich ihre Brüste und die Stelle zwischen ihren Beinen, und er tat es mit einer Geduld, die zum Wahnsinnigwerden war.

„So schlafe ich gleich ein“, flüsterte Elena, obwohl ihre Haut unter jeder Berührung glühte und sie beide es wussten.

„Was möchtest du?“ Seine Finger zeichneten Kreise um ihren Bauchnabel, wanderten tiefer, nicht tief genug.

„Du weißt genau, was ich will.“

„Sag es trotzdem.“ Er beugte sich über sie, sein Atem heiß an ihrer Wange. „Ich will es hören.“

„Sei nicht so zaghaft. Verdammt, fass mich endlich richtig an.“

Sein Lachen war dunkel und zufrieden. „Wo?“

„Überall…“

Seine Hand schloss sich um ihre Brust, drückte zu. Nicht sanft. Nicht brutal. Genau richtig. Elena stöhnte auf, ihr Rücken bog sich dem Griff entgegen. Sein Daumen strich über die harte Warze, kreiste, drückte, während seine andere Hand zwischen ihre Beine glitt und über die dünne, längst wieder durchnässte Seide rieb.

„Gott… ja… überall.“ Sie konnte nicht mehr klar denken, und zum ersten Mal seit Wochen war genau das der Sinn der Sache.

„Geduld“, murmelte er, aber seine eigene Kontrolle bekam Risse. Sie hörte es an seinem Atem, schneller jetzt, unregelmäßiger, und sie speicherte es ab wie einen kleinen Sieg.

Er zog ihr das Höschen über die Hüften, die Beine entlang, warf es achtlos zur Seite. Dann das Top, das er ihr über den Kopf streifte, und sie lag nackt vor ihm, die Beine locker geöffnet, den Körper bebend vor Erwartung. Seine Augen wanderten über sie, über die vollen Brüste, die sich mit jedem Atemzug hoben, die schmale Taille, die glatte, nasse Spalte zwischen ihren hellen Schenkeln.

„Schön“, murmelte er, mehr zu sich selbst. Seine Hände glitten die Innenseiten ihrer Oberschenkel entlang und schoben sie weiter auseinander.

Dann beugte er sich hinunter.

Der erste Kontakt seiner Zunge ließ Elena laut aufkeuchen. Er leckte langsam über ihre Spalte, einmal, zweimal, kostete sie, als hätte er den ganzen Abend nichts anderes vorgehabt. Das Geräusch, nass und schamlos, füllte den Raum, mischte sich mit dem Prasseln gegen die Fenster und ihrem eigenen Atem, der in kurzen, heftigen Stößen kam.

Seine Zunge fand den kleinen, geschwollenen Punkt darüber, umkreiste ihn, drückte, leckte, saugte. Dann glitt ein Finger in sie hinein, langsam und tief. Ein zweiter. Sie krümmten sich in ihr, suchten, fanden die Stelle, die sie zittern ließ.

„Oh Gott… Marek…“ Sein Name kam ihr leichter über die Lippen als erwartet. „Ich kann nicht…“

„Doch“, murmelte er gegen ihre Spalte, und die Vibration seiner Stimme lief durch sie hindurch wie Strom. „Du kannst. Lass einfach los.“

Seine Zunge wurde schneller, härter, seine Finger arbeiteten tief in ihr, und der Duft ihrer Körper, ihre Erregung, sein Sandelholz, der Wachsgeruch der Kerzen, wurde überwältigend.

„Ich… oh Gott… ich komme…“

„Ja.“ Ein Wort. Befehl und Erlaubnis zugleich.

Und sie zerbrach.

Der Orgasmus riss durch sie wie ein Sturm, ihr Körper verkrampfte sich, ihre Hüften pressten sich gegen sein Gesicht, und der Schrei, der ihr entfuhr, war laut und ungefiltert, von niemandem abgewogen, von niemandem kontrolliert. Welle um Welle rollte durch sie, und Marek hörte nicht auf, leckte sie durch jedes Zucken, jedes Nachbeben, bis sie zitternd und keuchend in die Laken sank.

Erst dann richtete er sich auf, wischte sich langsam über den Mund, den Blick zufrieden. Besitzergreifend.

„War doch kein schlechter Start“, sagte er.


Elena lag noch atemlos, den Körper voller Nachbeben, als Marek sich aufrichtete.

Sie beobachtete ihn, wie er sein Hemd aufknöpfte, langsam, bewusst, als wüsste er genau, dass sie zusah. Sein Oberkörper kam zum Vorschein, definierte Muskeln, eine dünne, alte Narbe über den Rippen, breite Schultern. Dann die Hose, die Boxershorts, ein kurzes, unzeremonielles Ausziehen.

Er stand nackt vor ihr, und Elena nahm sich die Zeit, hinzusehen. Sein Schwanz stand hart und schwer, die Eichel glänzte im Kerzenlicht, eine Ader zog sich dick den Schaft entlang. Kein bescheidener Anblick, und er wusste es.

„Gefällt dir, was du siehst?“ Seine Stimme war wissend, einen Hauch zu selbstsicher.

Statt zu antworten, richtete Elena sich auf. Langsam, bewusst, mit derselben Sorgfalt, mit der er sein Hemd geöffnet hatte. Ihre Beine waren noch weich, aber etwas in ihr war wach geworden. Etwas Wilderes.

„Bleib stehen“, sagte sie.

Er lachte leise. „Ist das ein Befehl?“

„Ja.“ Sie stand auf, ohne seinen Blick loszulassen. „Ein Problem?“

„Nein.“ Er blieb, wo er war. „Interessant.“

Elena trat näher, und ihre Hand schloss sich um seinen Schwanz. Heiß, hart, pulsierend unter ihren Fingern. Er zuckte bei der Berührung, ein leises Stöhnen entkam ihm, und sie ließ ihre Hand einmal langsam den Schaft entlanggleiten, nur um zu sehen, was es mit seinem Gesicht machte.

„Vor einer Minute wolltest du noch, dass ich dir gehorche“, sagte sie mit einem Lächeln, das nichts Braves mehr hatte. „Was hat sich geändert?“

„Nichts.“ Seine Augen waren dunkel, sein Kiefer arbeitete. „Ich will nur sehen, wo das hinführt.“

„Lass dich überraschen.“ Sie drückte ihn aufs Bett, sanft, aber bestimmt.

Er ließ es geschehen, landete auf dem Rücken, und Elena stieg über ihn, die Handflächen gegen seine Brust gepresst, die Nägel eine leise Drohung auf seiner Haut.

„Du versuchst, mich zu kontrollieren“, stellte er fest, das Lächeln ungebrochen.

„Ja“, hauchte sie. „Und ich bin verdammt gut darin.“

„Das sehe ich.“

Sie rutschte tiefer, ihre Augen auf seinem Gesicht. Sie wollte jede Reaktion sehen. Jede einzelne.

Ihre Lippen trafen zuerst die Innenseiten seiner Schenkel, drückten langsame Küsse in die warme Haut. Marek atmete scharf ein, seine Hände gruben sich in die Laken.

„Ich dachte, ich hätte hier die Kontrolle?“ Seine Stimme war schon rau.

„Hattest du.“ Sie zog eine feuchte Spur mit der Zungenspitze seinen Oberschenkel hinauf. „Jetzt bin ich dran.“

Sie ließ ihre Zunge über seine Eier gleiten, langsam, genüsslich, spürte, wie sie sich unter der Berührung zusammenzogen, und er zuckte, als hätte sie einen Schalter gefunden.

„Verdammt…“ Das Wort kam wie ein Fluch und wie ein Gebet.

Elena lachte leise gegen seine Haut und spürte, wie das Vibrieren durch ihn lief. Sein ganzer Körper war gespannt, wartend, hoffend. Sie ließ ihn warten. Küsste um seinen Schwanz herum, überall hin, nur nicht dorthin, wo er es brauchte, ihre Zunge spielte am Ansatz, provozierend, unverschämt.

„Bitte…“ Das Wort brach aus ihm heraus wie ein Geständnis.

„Was?“ Sie sah zu ihm auf, das Kinn fast auf seiner Hüfte, die Augen voller Machtgefühl. „Sag mir, was du willst.“

„Dich. Ich will…“

Sie nahm ihn in den Mund.

Er stöhnte auf, tief und unkontrolliert, aus einer Kehle, die eben noch so souverän geklungen hatte. Sein Schwanz war heiß und hart auf ihrer Zunge, und sie schmeckte ihn, salzig, männlich, unverwechselbar er.

Elena bewegte sich langsam, mit Absicht, ließ ihn jeden Zentimeter spüren. Ihre Lippen glitten fest den Schaft entlang, ihre Zunge zeichnete kleine Kreise um die Eichel, fuhr die dicke Ader nach, und ihre Hand umschloss die Basis und bewegte sich im selben trägen Rhythmus. Sie lutschte ihn, wie er sie geküsst hatte: präzise, kontrolliert, fordernd.

„Gott, Elena… du bist…“ Er brachte den Satz nicht zu Ende.

Sie nahm ihn tiefer, beschleunigte, und sein Körper begann unter ihr zu arbeiten, die Hüften drängten nach oben, ein Drang, den er nicht mehr steuerte. Sie ließ ihn gewähren, nahm ihn auf, tief und nass, während seine Atemzüge immer kürzer wurden.

„Verdammt… ich komme gleich… wenn du nicht aufhörst…“

Sie stoppte.

Zog sich zurück, ließ ihre Lippen ein letztes Mal über die glänzende Eichel gleiten und richtete sich auf. Sein Blick war verloren, verwirrt, hungrig.

„Noch nicht“, sagte sie mit einem zufriedenen Lächeln.

„Teufel…“ Aber in seinem Ton lag keine Wut. Nur Faszination.

„Du hast an meine Tür geklopft“, sagte sie. „Jetzt lernst du, was das bedeutet.“


Elena stieg über ihn, die Knie zu beiden Seiten seiner Hüften. Die Luft zwischen ihnen vibrierte, elektrisch, gespannt, und das Kerzenlicht zeichnete unruhige Muster auf seine Brust.

„Lass mich machen“, sagte sie leise. „Kein Reden. Keine Kontrolle. Gib mir, was ich will.“

Marek nickte, der Kiefer angespannt, die Augen dunkel wie ein Gewitterhimmel.

Sie griff seinen Schwanz, führte ihn an ihre nasse Spalte, und schon die Berührung ließ sie beide erschauern. Langsam, quälend langsam, sank sie auf ihn hinab.

Das Gefühl war überwältigend. Seine Härte, seine Dicke, die Art, wie er sie Stück für Stück ausfüllte, bis nichts mehr zwischen ihnen war. Sie spürte jeden Zentimeter, jedes Pulsieren, während sie sich tiefer sinken ließ, und ihr Atem kam nur noch stoßweise.

„Oh Gott…“

„Du bist so verdammt eng“, flüsterte er, die Stimme gebrochen.

Sie antwortete nicht. Sie saß ganz still auf ihm, die Augen geschlossen, den Körper zitternd, und nahm den Moment in sich auf. Der Geruch ihrer Körper, ihre Nässe, sein Sandelholz, der Schweiß auf beider Haut. Das Geräusch: tiefe Atemzüge, das Prasseln am Fenster, die stille Spannung zweier Menschen kurz vor dem Kontrollverlust.

„Warte…“, seine Hände packten ihre Hüften, „ich brauche…“

Aber Elena bewegte sich bereits.

Langsam zuerst, ein Heben und Senken, das sie beide zum Zittern brachte. Dann öffnete sie die Augen, sah auf ihn hinunter, auf die pure Lust in seinem Gesicht, und begann zu reiten.

Ihre Hüften kreisten, offen und fließend, ihr Becken rollte in einer Bewegung, die keinen Anfang und kein Ende hatte, und Marek stöhnte, als hätte sie ihm den Boden unter dem Rücken weggezogen. Sie wusste, was sie tat. Ihr Körper wusste es, jede Faser, jede Drehung, und heute Nacht gehörte dieses Wissen niemandem außer ihr.

„Mmm… ja…“ Sie beschleunigte den Rhythmus, ließ die Hüften kreisen, tiefer, enger, und beugte sich hinunter, um ihn zu küssen, hart und fordernd, während sie ihn ritt. Ihr kupferrotes Haar fiel wie ein Vorhang um ihre Gesichter, und er schmeckte nach Schweiß und nach ihr.

Marek versuchte mitzugehen, seine Hüften drängten nach oben, aber Elena richtete sich auf und entzog sich.

„Nein“, sagte sie, die Stimme dunkel und rauchig. „Das ist mein Tempo.“

Er erstarrte. Nur seine Brust hob sich schwer unter ihren Händen.

Sie setzte ihren Rhythmus fort, schneller jetzt, härter, ihr Körper glitt über seinem, und mit jeder Bewegung rieb sich ihr empfindlichster Punkt an ihm, ein scharfer, süßer Blitz nach dem anderen. Ihre vollen Brüste wippten im Takt, seine Augen hingen daran fest, und sie warf den Kopf zurück und ließ ihn hinsehen.

„Gott… das fühlt sich… du bist…“ Seine Worte zerfielen zu Bruchstücken.

Sie genoss es. Die Kontrolle. Diesen großen, selbstsicheren Mann unter sich, der nicht mehr wusste, wohin mit seinen Händen.

Dann bewegte er sich doch. Nur ein kleiner Stoß seiner Hüften, tiefer in sie hinein.

Elena hielt inne, die Augen weit. „Warum hörst du nicht?“

„Tut mir leid… ich kann nicht…“

„Doch, kannst du.“ Sie presste ihre Handgelenke auf sein Brustbein und drückte ihn fest in die Matratze. „Bleib verdammt noch mal still.“

Etwas in ihr war jetzt nicht mehr nur kontrolliert. Es war besitzergreifend. Wild. Sie ritt ihn schneller, der ganze Körper arbeitete, schweißglänzend im Kerzenlicht, das Haar klebte ihr im Nacken. Das war nicht nur Lust. Das war Macht, und sie schmeckte besser als jede Höflichkeit der letzten zwei Monate.

Mareks Hals spannte sich, seine Hände krallten sich in die Laken, sein ganzer Körper kämpfte gegen den Drang, sich zu bewegen.

„Elena… verdammt… ich halte das nicht… mehr lange…“

„Ich weiß“, flüsterte sie und genoss jede Silbe. „Warte auf mich.“

Sie trieb sich selbst voran, härter, tiefer, der Druck in ihrem Bauch wuchs mit jedem Stoß, eine vertraute Hitze, die sich zusammenzog wie eine Faust. Sie war nah. So nah. Sie sah auf ihn hinunter, auf das verzerrte Gesicht, die Sehnen in seinem Hals, das Zittern seiner Arme. Diese Macht. Diese ganz und gar körperliche Macht.

„Komm…“, seine Bitte war rau, flehend. „Lass mich…“

„Noch nicht…“

Aber es war zu viel. Für beide.

Der Orgasmus traf sie wie ein Stromschlag. Sie zog sich hart um ihn zusammen, ihr ganzer Körper verkrampfte, und der Schrei, der aus ihr herausbrach, war zu wild, um ihn festzuhalten. Marek hielt noch einen einzigen Herzschlag durch, dann riss es auch ihn mit. Er stieß nach oben, tief in sie hinein, und pumpte sich heiß in sie, ein langgezogenes Stöhnen aus tiefster Kehle, während sie auf ihm zuckte und bebte.

Sie blieben ineinander verschränkt sitzen, zitternd, atemlos, seine Stirn gegen ihr Schlüsselbein gepresst.


„Meine Runde“, murmelte Marek, und sein Ton war dunkel.

Bevor Elena protestieren konnte, hatte er sie herumgerollt. Ihre Brüste trafen die zerwühlten Laken, ihre Hüften hoben sich von selbst, Instinkt, keine Verhandlung.

Er kniete sich hinter sie, packte ihre Hüften, und sein Schwanz, immer noch hart, drückte gegen ihre nasse Spalte.

„Du spielst ein gefährliches Spiel“, hauchte er gegen ihren Nacken, schob ihr schweres Haar zur Seite und versenkte sich langsam in ihr.

Elena keuchte in die Laken. Die Tiefe dieser Stellung überwältigte sie, er füllte sie ganz aus, drückte gegen Stellen, von denen sie vergessen hatte, dass es sie gab.

„Gott… ja… hart… bitte…“

Und diesmal verhandelte er nicht. Diesmal gab es kein Spiel, keine Regeln, keine Rollen. Nur Instinkt.

Seine Stöße waren schnell, tief, getrieben. Seine Hände packten ihre Hüften und zogen sie ihm entgegen, wieder und wieder, und die Geräusche, nass, schamlos, ungefiltert, füllten das Zimmer bis unter die hohe Decke.

Elena presste das Gesicht in die Laken, ihr Atem kam nur noch in Stößen. Der Stoff roch nach Wachs, nach ihm, nach ihr, nach allem, was diese Nacht aus ihr herausgeholt hatte.

„Verdammt, Elena… du bist so heiß…“

Ein Arm schlang sich um ihre Taille, hob ihre Hüften höher, änderte den Winkel, und der nächste Stoß traf genau den Punkt, der sie aufschreien ließ.

„Schrei für mich.“

Und sie tat es.

Mit jedem Stoß schrie sie, seinen Namen, Flüche, halbe Gebete. Sie war niemand mehr. Kein Name, kein Schild am Briefkasten, keine Rolle. Nur Körper, nur Empfindung, nur diese eine glühende Linie von seinem Schwanz bis in ihre Fingerspitzen.

Mareks Rhythmus wurde wilder, unregelmäßiger, seine Kontrolle, diese verdammte, perfekte Kontrolle, zerbrach unter der eigenen Gier.

„Ich komme… verdammt… du bringst mich…“

„Ja!“ Elena stieß sich ihm entgegen, hart, fordernd. Kein Machtkampf mehr. Nur noch zwei Menschen, die einander in Stücke rissen und es beide so wollten.

Sein Höhepunkt kam brutal, ein Schrei aus tiefer Kehle, während er sich in sie presste und heiß in ihr verströmte. Und Elena kam mit ihm, ein letztes Mal, sie zog sich in harten Wellen um ihn zusammen, ausgelöst von seinem Zucken, seinem Gewicht, seiner Hitze.

Sie fielen zusammen in die Laken, verschlungen, schwitzend, atemlos.


Irgendwann wurde der Atem wieder langsamer.

Die meisten Kerzen waren heruntergebrannt, nur auf der Fensterbank flackerte noch eine einzelne Flamme gegen die Scheibe. Draußen hatte der Schneeregen aufgehört. Die Stadt war still, so still, wie sie nur in einer Januarnacht sein kann, und irgendwo im Haus knackte eine Heizung.

Sie lagen nebeneinander, ohne sich zu berühren, und es war kein unangenehmes Liegen. Marek fragte nichts. Er erklärte nichts. Er versuchte nicht, aus der Nacht ein Gespräch zu machen, und Elena rechnete es ihm höher an als alles, was vorher gewesen war.

Ihre Muskeln fühlten sich an wie nach einem langen Lauf, warm, verbraucht, angenehm leer. Die Spannung der letzten Wochen war fort. Nicht gelöst, nicht verhandelt. Einfach herausgebrannt.

Nach einer Weile stand er auf und sammelte seine Sachen vom Boden, ohne Hast, ohne Verlegenheit. Sie sah ihm dabei zu, den Kopf auf den angewinkelten Arm gelegt, das Laken locker über der Hüfte, und fand, dass ihm sogar das Anziehen besser stand als den meisten Männern das Ausziehen.

An der Schlafzimmertür blieb er stehen. Kein Zettel, kein Stift, keine Nummer. Er hatte verstanden, was sie gesagt hatte, und noch besser: Er hatte es geglaubt.

„Gute Nacht, Elena.“

Der falsche Name hing einen Moment im Kerzenlicht. Sie korrigierte ihn nicht. Es gab nichts zu korrigieren, nicht hier, nicht für ihn.

„Gute Nacht, Marek.“

Die Wohnungstür fiel leise ins Schloss, dann seine, gegenüber, ein doppeltes, gedämpftes Klicken, wie ein Satz und sein Echo.

Elena blies die letzte Kerze aus und schlief ein, bevor der Rauch sich verzogen hatte. Traumlos, tief, zum ersten Mal seit Wochen.


Vier Tage später roch das Treppenhaus nach nassen Mänteln und kaltem Stein.

Elena kam mit klammen Fingern von draußen, die Dämmerung hing schon blau in den Hinterhoffenstern, und an den Briefkästen stand Marek, die Post seines Kastens in der Hand. Dritte Reihe, erster Kasten. Sie hatte das Schild längst gelesen.

Er sah auf.

Ihre Blicke trafen sich, und es war wie in all den Wochen davor und doch vollkommen anders. Zwei Sekunden. Drei. Ein paar Sekunden zu lang, um Zufall zu sein, und diesmal wussten sie beide, was auf der anderen Seite dieses Blicks lag. Die Kerzen. Die Wand. Ihr Tempo. Sein Tempo. Der Schrei, den sie nicht zurückgehalten hatte.

Sein Mundwinkel bewegte sich, kaum sichtbar, kein Grinsen, nur die Andeutung eines Einverständnisses. Er sagte nichts. Sie sagte nichts. Alles, was zu verhandeln war, war längst verhandelt worden, und alles andere hatte keine Eile.

Diesmal sah sie nicht zuerst weg.

Es war Marek, der den Blick senkte, zurück zu seiner Post, das angedeutete Lächeln noch im Gesicht. Elena stieg die Treppe hoch, den Schlüssel schon in der Hand, und trug seinen Blick warm zwischen den Schulterblättern bis in den vierten Stock.

ENDE

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Rico Mark Rüde

Seit 2002 widmet er sich der urbanen Erkundung, indem er unbekannte Orte aufspürt, die oft im Verborgenen liegen, obwohl sie mitten unter uns sind. Seine Entdeckungen hält er fotografisch fest und bereichert sie in seinem Blog mit ausführlichen Recherchen und Texten. Neben seinem Interesse für das Urbexing engagiert er sich auch im Schreiben von Geschichten und Büchern sowie im detailreichen Modellbau.

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