Es gibt Orte, die verschwinden still und leise, ohne dass jemand sie vermisst. Und dann gibt es Orte wie dieses ehemalige Hallenbad im Ruhrgebiet, die sich tief in die Erinnerungen der Menschen eingebrannt haben. Hier wurden Kinder zu Schwimmern, hier erlebten viele ihre ersten Mutproben vom Sprungturm, hier trafen sich Familien, um ein paar Stunden dem Alltag zu entfliehen. Doch heute ist das Gebäude ein leerstehender, verfallender Lost Place, dessen Zukunft ungewiss ist.
Mein Besuch an diesem Ort führt mich durch nasse Korridore mit abgenutzten Fliesen bis zu einem leeren Schwimmbecken, das einst mit klarem Wasser gefüllt war. Die Vergangenheit des Ortes ist spürbar, während der Verfall in der Gegenwart allgegenwärtig ist.
Der Tag meines Besuchs war kühl, die Luft roch nach feuchtem Beton und abgestandener Nässe. In der Ferne hörte ich das Knirschen von Ästen, vielleicht ein Vogel oder ein Windstoß, der durch die Ritzen der alten Fenster zog. Die Außenmauern waren von Moos überwuchert, Pflanzen wucherten über die einstigen Eingänge.
Beim Betreten des Gebäudes fiel mir sofort das große Wandgemälde an der Stirnseite der Schwimmhalle ins Auge – eine Darstellung der Ruhrlandschaft, gezeichnet von dem Künstler Erich Pilz. Trotz des Verfalls hatte es seine Farben bewahrt, als würde es sich standhaft gegen den Zahn der Zeit wehren.
Im großen Schwimmbecken klafften Risse im Boden, und die alten Sprungbretter wirkten wie stumme Zeugen vergangener Abenteuer. Ich stellte mir die Stimmen vor, die hier einst widerhallten: das Platschen von Wasser, das Lachen von Kindern, das Pfeifen der Bademeister. All das war verstummt.
Während meines Besuchs fiel mir auf, dass die Fensterfront des Gebäudes noch immer Tageslicht einließ – ein seltsamer Kontrast zwischen dem hellen Licht und dem Schatten des Verfalls. Ein Ort, der einmal vor Leben sprühte, lag nun in tiefem Dornröschenschlaf.
Geschichte
Das ehemalige Hallenbad wurde am 2. Juni 1967 eröffnet. In der Nachkriegszeit, als der Ort sich langsam wieder zu einer modernen Stadt entwickelte, erkannte man die Notwendigkeit eines Hallenbades für die Bevölkerung. Vor allem dieser Stadtteil, einst eine Bauerngemeinde, hatte sich durch die Industrialisierung rapide verändert und benötigte neue Freizeitangebote.
Über Jahrzehnte hinweg diente das Bad der Bevölkerung als Treffpunkt. Schulklassen und Vereine nutzten es ebenso wie private Schwimmer. Neben dem eigentlichen Becken gab es Gymnastikräume, eine Sauna, eine Sonnenbank und sogar ein kleines Restaurant.
Im Laufe der Jahre wechselte das Bad mehrfach den Besitzer: Von der Stadt ging es 1989 in private Hände über. Später übernahm die Sport-Betriebs-GmbH gemeinsam mit dem Sportbund den Betrieb.
Doch der Zahn der Zeit machte dem Gebäude zu schaffen. Finanzielle Engpässe und ein sich wandelndes Bäderkonzept der Stadt führten schließlich zum Ratsbeschluss vom 26. November 2014: Das ehemalige Hallenbad musste schließen. Der letzte Badegast verließ das Gebäude unmittelbar vor Weihnachten 2014.
Seither steht das Bad leer. Wo einst Menschen schwammen, hat sich nun die Natur ihren Platz zurückerobert. Das Becken ist trocken, doch Spuren von Algen und Feuchtigkeit sind überall sichtbar. Die Umkleidekabinen sind geplündert, die Fenster teilweise eingeschlagen. Das Restaurant existiert nur noch als leere Hülle.
Für Neugierige ist das verlassene Schwimmbad ein faszinierendes Ziel – aber der Zutritt ist offiziell verboten. Das Gelände ist umzäunt, und die Bausubstanz könnte gefährlich sein. Dennoch hält das kaum jemanden davon ab, sich einen Blick in die Vergangenheit zu erhaschen.
Während andere Schwimmbäder modernisiert oder neu gebaut wurden, bleibt das ehemalige Hallenbad ein trauriges Mahnmal vergangener Zeiten.
Leider kam es im Oktober 2024 zu einem Brand im verlassenen Schwimmbad, bei dem Kinder, die sich unerlaubt Zutritt verschafft hatten, in Gefahr gerieten. Dieses Ereignis unterstreicht die Dringlichkeit, das marode Gebäude zu entfernen und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.
Im November 2024 beschloss die Stadt, das Gelände zu verkaufen, mit dem Ziel, dort eine Kindertagesstätte und Mehrfamilienhäuser zu errichten.
Der Besitzübergang erfolgte im Januar 2025, gefolgt von Abrissarbeiten, um Platz für die neuen Bauprojekte zu schaffen.
Mit dem geplanten Abriss und den Neubauten wird das Areal bald wieder zu einem lebendigen Teil der Gemeinschaft werden.
Informative Fakten
- Eröffnung: 2. Juni 1967
- Schließung: 19. Dezember 2014
- Größe des Beckens: 25 x 12,5 Meter, fünf Bahnen
- Ausstattung: Sauna, Sonnenbank, Restaurant, Fitnessräume
- Betreiberwechsel: Stadt (bis 1989), privater Träger (bis 2003), Sportbund (bis 2014)
- Künstlerisches Highlight: Wandgemälde „Ruhrlandschaft“ von Erich Pilz
- Letzte Besucherzahl: ca. 75.000 Menschen pro Jahr
Das ehemalige Hallenbad war mehr als nur ein Schwimmbad – es war ein Ort der Erinnerungen, ein Treffpunkt für Jung und Alt.
Frisch ↔ Lange Verlassen
Einmal kurz durchwischen ↔ Morbider Charme
Vandalismus ↔ Natürlicher Verfall
Leere Räume ↔ Viel zu entdecken
Schöne Weitwinkelmotive
Detailaufnahmen
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